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7. Forum

 

7. Forum der russlanddeutschen Begegnungszentren

(12.-17. November 2008, Moskau und Dorf Jerschowo, Moskauer Gebiet)

Der Event des Jahres für die russlanddeutschen Begegnungszentren fand am 12.-17. November in Moskau statt. An der Arbeit des 7. Forums, das vom Internationalen Verbandes der deutschen Kultur durchgeführt wurde, nahmen über 130 Vertreter der Begegnungszentren aus 41 Föderationssubjekten, Gäste aus den Partnerorganisationen der GUS-Staaten und Deutschlands, Delegation des deutschen BMI unter der Leitung von Dr. Christoph Bergner, dem Beauftragten der Bundesregierung für Aussiedlerfragen und nationale Minderheiten, sowie der Direktor des Departements für nationale Angelegenheiten des Regionalministeriums der RF Alexander Shurawskij teil.


Ein Jahr ist seit dem letzten Forum vergangen, in dessen Rahmen der 1. Kongress der Begegnungszentren der Russlanddeutschen stattgefunden hat. Der Kongress fand eine gewisse gesellschaftlich-politische Resonanz: Darauf hieß es, die Russlanddeutschen würden nicht nach der Wiederherstellung ihrer Staatlichkeit streben, sondern nach Lösungen praktischer Fragen suchen — Entwicklung der Selbstorganisation, der Partnerschaften, Verbesserung der Spracharbeit. Damals wurde das Konzept des Programms „Verbesserung der Tätigkeit der Begegnungszentren“ verabschiedet, es wurde der für 2008 geplante Beginn des Pilotprojektes bekanntgegeben, das eine schrittweise Übergabe der Kompetenzen von der Mittlerorganisation, der GTZ, an die kurz zuvor ins Leben gerufenen Regionalen Koordinierungsräte (RKR) im Ural und in Zentralrussland vorsieht. Gleichzeitig wurden erste Partnerschaftsabkommen zwischen den Begegnungszentren der Russlanddeutschen und den regionalen Gruppen der Landsmannschaft der Deutschen aus Russland unterzeichnet. Auf jenem Forum hörte man noch viel Kritik an den nahenden Veränderungen und neuen Richtungen in der Tätigkeit der Begegnungszentren. Vorträge und Berichte des diesjährigen Forums zeigen, dass die im vergangenen Herbst unternommenen Schritte richtig waren: Die auf dem 7. Forum gezogene Bilanz des Pilotprojektes und der Partnerschaftsprogramme hat selbst die hartnäckigsten Skeptiker von ihrer Wichtigkeit überzeugt und von der Notwendigkeit weiterzumachen.


„Wir müssen handeln“

Aleksandr Grinenwald, Leiter des RKR der Begegnungszentren der Russlanddeutschen Zentralrusslands und Vorsitzender der Deutschen national-kulturellen Autonomie (NKA) der Region Tula, stellte auf dem Forum die Zwischenbilanz des Pilotprojektes vor. Das Projekt zeigte, dass die Teilnahme daran sowie an der Arbeit der RKR das Selbstbewusstsein der Aktivisten der Begegnungszentren steigert. Die Situation insgesamt hat sich in diesem Jahr geändert: Die Begegnungszentren zeigten sich bereit im Rahmen der Selbstorganisation und Selbstverwaltung eigenständiger zu arbeiten und dabei mehr Verantwortung zu tragen. „Die Umsetzung des Pilotprojektes „Koordinierung und Organisation der Projekttätigkeit der vernetzten Begegnungszentren der Russlanddeutschen in der Zentralen Region und in der Uralregion der Russischen Föderation“ soll als erfolgreich angesehen werden“, sagte Grinenwald, als er die Meinungen seiner Kollegen zum Ausdruck brachte.

„Es war befriedigend zu sehen, wie diejenigen, die bereits am Pilotprojekt teilnehmen, denen, die noch zweifeln, beweisen, dass es sein muss“, sagt Margarita Schmidt, Vorsitzende der Vereinigung der Deutschen der Region Jaroslawl. „Bei der Umsetzung des Projektes sehen wir selbst zwar ein, dass wir irgendwann auch Fehler gemacht haben. Aber wir verantworten unsere Arbeit selbst und machen nur das, was wir selbst für nötig halten, und folgen keinen Anweisungen von oben, wie früher“.

Das Beispiel der Kollegen inspirierte. „Die Stimmung ist jetzt bereits so, dass viele sagen: ja, wir wollen uns auch am Pilotprojekt beteiligen, das können wir bewältigen“, sagt Elena Bobrowskaja, Vorsitzende der NKA der Region Krasnojarsk, Leiterin des RKR der Begegnungszentren in Ostsibirien und im Fernen Osten. „Die alte Einstellung — `wir können eh nur das machen, was man uns sagt` - ist nicht mehr da. Jetzt sagen sie stattdessen: Vor wem hatten wir bloß Angst? Wir hätten handeln müssen!“. Auch Aktivisten der Begegnungszentren, die früher aus welchen Gründen auch immer keine Förderung der GTZ erhielten, sind nun voller Hoffnung. Jetzt wird die Frage über ihr Recht, an den Sitzungen der RKR teilzunehmen und in ihren Begegnungszentren Projekte umzusetzen, aufgeworfen.

Auf dem Forum wurden diesmal keine Diskussionen über die Notwendigkeit der RKR geführt — die überwiegende Mehrheit hat diesbezüglich keine Zweifel mehr. Es ging vielmehr um die Verbesserung ihrer Tätigkeit, was in den Abschlussberichten der Arbeitsgruppen seinen Ausdruck fand. „Wie erfolgreich die RKR funktionieren, wird davon abhängen, wie ehrlich wir selbst miteinander umgehen und ob wir uns an die Regeln halten, die wir für uns selbst ausarbeiten“, so Natalja Dempke, Vorsitzende der NKA in Kolomna. „So lautet eine der Regeln: Alle Russlanddeutschen, unabhängig davon, wo sie leben, ob in einer Kleinstadt oder in einer Metropole, und ob es dort eine Gemeinschaft der Russlanddeutschen gibt oder nicht, müssen gleiche Möglichkeiten in Bezug auf die Teilnahme an Projekten haben“.

„Erste Ergebnisse des Pilotprojektes sind positiv, sagt Frank Willenberg, Ministerialdirigent im Bundesministerium des Innern. „Es steht jetzt bereits fest, dass es fortgesetzt wird. Allerdings können wir jetzt noch kein Gesamtbild sehen, weil das Jahr noch nicht zu Ende ist. Nach der Endbilanz werden wir eine Schätzung des Pilotprojektes vornehmen, die zeigen wird, ob wir weitere Regionen mit in das Projekt einschließen sollen“.

Im Rahmen dieser Veranstaltung konnten die Teilnehmer erstmals in der Geschichte des Forums der Begegnungszentren, das vom IVDK seit 1993 organisiert wird, Meinungen der deutschen und russischen Beamten, die für Programme der Unterstützung der Russlanddeutschen zuständig sind, unmittelbar im Verlauf der Diskussion hören: Leiter der Abteilung für nationale Beziehungen des Ministeriums für regionale Entwicklung der Russischen Föderation Aleksandr Shurawskij, Bevollmächtigter der Bundesregierung für Aussiedlerfragen und nationale Minderheiten Dr. Christoph Bergner sowie Leiter der Abteilung für die Angelegenheiten der Russlanddeutschen im Bundesministerium des Innern Frank Willenberg nahmen an den Sitzungen teil. Die Aktivisten der Begegnungszentren konnten außerdem ihre Meinungen den Leitern des Programms der GTZ zur Unterstützung der deutschen Minderheit aus den Regionen sowie aus dem Hauptbüro des Programms in Berlin mitteilen.


„Sucht nach Partnern!“

„Die Tagesordnung, die wir den Besuchern unserer Begegnungszentren anbieten, ist nicht mehr zeitgemäß“, sagte Heinrich Martens, Vorsitzender des Internationalen Verbandes der deutschen Kultur (IVDK) bei der Eröffnung des Forums. „Mir müssen neue Möglichkeiten zur Stärkung unserer Positionen finden. Wir können uns nicht ständig daran erinnern, was die Deportation unserem Volk angetan hat. Das ist unsere Geschichte, sie muss in unserer Erinnerung bleiben. Aber wenn wir immer nur zurückblicken, können wir nicht vorankommen. Unsere Begegnungszentren müssen sich verstärkt an der gesamten deutsch-russischen Zusammenarbeit beteiligen — durch Partnerschaften, durch den Jugend- und Schüleraustausch, durch die MDZ, die bisher das einzige von den Russlanddeutschen selbst herausgegebene Organ der deutsch-russischen Zusammenarbeit ist. Ich bin fest davon überzeugt, dass wir ohne die Entwicklung der Partnerschaften nur sehr schwer unsere Identität bewahren können“.

In diesem Jahr ist die Zahl der Partnerschaftsprogramme zwischen den Begegnungszentren und den Gruppen der Landsmannschaft von Null auf elf gestiegen. Und ihre Zahl kann weiter wachsen, wenn man nicht untätig bleibt. „Erwartet nicht, dass jemand zu euch mit offenen Armen kommt. Wenn ihr ein Projekt habt — sucht selbst nach Partnern“, rief Wolfram Löbnitz, Moderator der Arbeitsgruppe des Forums „Partnerschaften der Begegnungszentren“, auf. Es müsse nicht unbedingt eine Gruppe der Landsmannschaft sein, betonte er.


Gemeinsam in die Zukunft

Das Forum findet zum ersten Mal in dieser Zusammensetzung statt — neben Erwachsenen nehmen viele Jugendliche daran teil. „Das sind aktive Jugendliche, die arbeiten wollen, und das freut uns sehr“, sagte Aleksandr Graminskij, Vorsitzender der NKA Jekaterinburg.

Eine der Arbeitsgruppen sprach über die Probleme des Zusammenwirkens von Jugendclubs und Begegnungszentren, die es heute gibt, wenn auch nicht überall. Laut den Teilnehmern dieser Gruppe kam es zu Meinungsverschiedenheiten, weil „erwachsene“ und Jugendorganisationen der Russlanddeutschen keine gemeinsamen Ideen haben. Diese Schlussfolgerung, mit der die Präsentation der Gruppe begann, versetzte freilich einige Forumsteilnehmer in Staunen. „Wie können denn die Organisationen der Russlanddeutschen unterschiedliche Ziele haben?“, fragt Natalja Dempke. „Es kann nur ein Ziel geben — die Bewahrung und Entwicklung der nationalen Identität. In Kolomna gibt es keine Meinungsverschiedenheiten zwischen Jugendlichen und Erwachsenen in der Organisation“.

„Wahrscheinlich hat Frau Dempke den hier ausgesprochenen Gedanken nicht ganz richtig ausgelegt — was für mich wiederum für die Notwendigkeit des Dialogs zwischen der älteren und der jüngeren Generation spricht“, erwidert Olga Gartman, Vorsitzende des Jugendrings der Russlanddeutschen. „Viele Dinge sehen und verstehen wir anders“. Olga ist überzeugt — für die Jugendlichen ist die Kommunikation innerhalb der Organisation wichtig, das Gefühl dazuzugehören. Sprache und Kultur fungieren dabei als verbindende Faktoren.

Und während es für die Diskussion über die Sprachsituation eine Plattform gab — im Rahmen des Forums arbeitete die Gruppe „Sprachfeld des Russlanddeutschen“, ist für die Probleme der kulturellen Entwicklung bisher noch keine geeignete Grundlage geschaffen worden. „Während die Agronomen diskutieren, wie ein Feld zu ackern ist, stehen die Bauern, und ihre Pflüge rosten“, Arnold Rajnik, Leiter des Kindertanztheaters „Lallen“ aus Perm, erinnert seine Kollegen, dass die Arbeit der Begegnungszentren auf die Wiedergeburt der Kultur der Russlanddeutschen gerichtet ist. Künstlerin Inessa Garvard aus Smolensk stimmt ihm zu:“Kultur bleibt auf der Strecke“. „Früher hatte man wohl anderes zu tun“, sagt Arnold Rajnik. „Aber nun ist das Föderale Zielprogramm verabschiedet und es ist an der Zeit, den ehemaligen Organisationsausschuss für Kultur wiederzubeleben“.

„Das Forum war konstruktiv, in den Arbeitsgruppen gab es diesmal mehr konkrete Entscheidungen als im vergangenen Jahr“, vergleicht Elena Bobrowskaja. „Man sieht, dass alle nachdenken, diskutieren, Meinungen äußern. Niemand hat auf fertige Rezepte von oben zurückgegriffen“.

Sowohl junge als auch erwachsene Russlanddeutsche wollen tätig sein. „Wir erleben zurzeit einen Aufschwung in der gesellschaftlichen Bewegung der Russlanddeutschen. Wichtig ist, nicht Halt zu machen, nicht das Tempo zu drosseln“.

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