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8. Forum

 
Das 8. Forum der Russlanddeutschen 
(27.Januar - 31.Januar 2010, Moskau)
 
Das Forum gehört zum Hauptdiskussionsplatz auf der föderalen Ebene im öffentlichen Leben der Deutschen in der Russischen Föderation. In den letzten Januartagen fand das 8. Forum der Russlanddeutschen, und nämlich seine zweite Phase: Ende letzten Jahres wurden Maßnahmen durchgeführt, die den Boden für neue Entscheidungen und Auswertung der dreijährigen Arbeit bereiteten.
 
„Vor zwei Jahren habe ich die Ausdrücke wie „MKS“ und „Pilotprojekt“ zum ersten Mal gehört. Damals dachte ich, es soll auch neben den MKS (auf Deutsch: RKR) und dem Projekt einen Piloten geben und wir sollen irgendwohin fliegen“, erzählte Wladimir Weiß aus dem Gebiet Kemerowo, der am Forum der Russlanddeutschen in Moskau teilnahm. Jetzt kennt sich Herr Weiß gut in Abkürzungen und Weisheiten der öffentlichen Bewegung der Russlanddeutschen. Er ist Mitglied des Koordinationsrates der Begegnungszentren im Gebiet Kemerowo und unterstützt die Idee der Aufnahme Westsibiriens in das so genannte Pilotprojekt – so heißt der Prozess der Kompetenzübergabe zur Koordination und Organisation der Projekttätigkeit zu Gunsten der Russlanddeutschen von der Deutschen Gesellschaft für technische Zusammenarbeit an Organe der Selbstorganisation der Russlanddeutschen allgemein.
 
Schon seit über zwei Jahren läuft dieser Prozess. Begonnen hat er mit der Gründung der Regionalen Koordinationsräte (RKR) der Begegnungszentren und Übernahme der Verantwortung für die Durchführung der Projekttätigkeit seitens der RKR in Zentralrussland und in der Region Ural. Dieses Forum zieht Bilanz der dreijährigen Tätigkeit. „Das war eine sehr angestrengte Periode“, sagte der Vorsitzende des Internationalen Verbandes der deutschen Kultur (IVDK) und Präsident der Föderalen National-Kulturellen Autonomie der Russlanddeutschen (FNKA) Heinrich Martens. „Nach einer vieljährigen und – so ist unsere Meinung - stagnierenden Periode sehen wir wieder Veränderungen, die die Grundinteressen unserer öffentlichen Strukturen betreffen und auf die wesentlichste Weise die Situation, die heutige Lage und die Zukunft der Deutschen in der Russischen Föderation beeinflussen“.
 
Zu solchen Veränderungen zählt Herr Martens die positiven Fortschritte in der öffentlichen Bewegung der Russlanddeutschen, im Verhalten der Staatsorgane beider Länder zur deutschen Minderheit, in der gesellschaftspolitischen Bedeutung der Russlanddeutschen für die Gesellschaft und den Staat, in der Bestimmung der Rolle der Russlanddeutschen als Brücke zwischen Russland und Deutschland, im Inhalt und in der Qualität der Tätigkeit von öffentlichen Strukturen. Dieses Forum zeigte gerade die Resultate dieser positiven Veränderungen.
 
Es sei vor allem zu betonen, dass die Leiter der Begegnungszentren an den Disputen aktiver teilnahmen, keine Angst mehr hatten, ihre eigene Meinung zu äußern, die sich von der Meinung der Führung unterscheidet. „Wir halten uns nicht mehr an das Prinzip „wir begrüßen alles“, sagte Viktor Ditz aus Kasan. Im Forum entfaltete sich die Diskussion über einige Tätigkeitsbestimmungen der RKR und die geplante Übergabe des Bildungs- und Informationszentrums (BiZ) an die Organe der Selbstorganisation der Russlanddeutschen. Die Leiterin des ZdK „Wiedergeburt“ in Minussinsk Ekaterina Schachtarina stellte eine berechtigte Frage darüber, wie weit die Autonomie jedes RKR gehen soll und welche Rolle die föderale Organisation IVDK in der Tätigkeit jedes RKR spielen wird. Anders gesagt, in wie weit die ausgerufene Selbstorganisation als solche funktionieren wird. Laut der Verordnung über die RKR wird die Struktur der föderalen Ebene die strategischen Fragen erledigen, die die Ethnie im Großen und Ganzen betreffen und auch für die Bilanz zwischen den Regionen und die Qualität der Projektverwirklichung sorgen. Dass diese Kombination wirkt und dabei die Autonomie der RKR nicht gestört wird, erzählten die Leiter der RKR Natalja Dempke und Oleg Strahler. Ihre Kollegen aus dem Gebiet Kemerowo sagten über die positiven Veränderungen in der Region seit letztem Jahr. Natürlich gab es auch diejenigen, die kein Wort sagten. „Tatsächlich kommt man an einer oder anderer Stelle in Diskussion mit unterschiedlicher Position“, teilte Torsten Brezina, der Leiter der ANO „Breitenarbeit“, seine Eindrücke mit. „Mein Eindruck ist aber auch, dass daran nicht wirklich alle beteiligt sind. Ich habe das Gefühl, dass der eine oder der andere noch seine Meinung nicht so aktiv eingebracht hat, weil er an einer oder anderer Stelle das Gefühl hat, dass sie nicht so aufgenommen wird. Man kann die Sache in diesem Bereich viel stärker fördern und entwickeln. Wir sind da auf dem guten Weg.“ Die wichtige Anregung zur Entwicklung der demokratischen Prozesse gibt auch die Teilnahme der Opposition an den offenen Debatten. Die Veröffentlichung der so genannten „offenen Briefe“, wie z.B. des Briefes einiger Leader der Organisationen der Russlanddeutschen im Westsibirien vor dem Forum, gibt solch eine Anregung nicht. „Auf diesen „offenen Brief“ kann man nicht direkt reagieren, auf den kann man nicht in der Diskussion eingehen. Das Forum, in der Art wie es stattfindet, ist eine gute Möglichkeit, verschiedene Positionen zu diskutieren und dann zu einem gemeinsamen Vorgehen zu kommen“, meint Herr Brezina. „Ich denke, sie haben das nicht genutzt, weil sie das Gefühl haben, mit ihrer Position nicht durch zu kommen, dass sie eine Minderheit sind.“
 
Auch hier gibt es positive Resultate. Der Einladung zur Teilnahme am Forum folgte Anton Schulz aus dem Deutschen Nationalrayon Asowo im Omsker Gebiet. Er selbst bestimmte seine Rolle am Forum als Friedensstifter: Er möchte „seine Leitung und die Leitung der Gegenseite“ auffordern, „sich an den Verhandlungstisch zu setzen und aufzuhören, ihn“ – und zugleich auch alle Russlanddeutsche – „am Narrenseil zu führen.“ „Keiner übte einen Druck auf mich aus. Ich hatte die Möglichkeit, zu beobachten und auszuwerten“, erzählt Herr Schulz. „Ich habe eine straffe Organisation und die Zielstrebigkeit der Leute gesehen. Ich teile nicht ganz einige ihrer Ansichten, aber der Kommunikationsstil hier – die festen demokratischen Verhältnisse – gefällt mir.“ Es werden aber, seiner Meinung nach, „Methoden des psychologischen Kampfes, die an Beleidigung grenzen“,  angewendet. Anton Schulz ist überhaupt der Ansicht, dass „das Forum die Arbeit im Großen und Ganzen nicht widerspiegelt.“ „Das alles kann auch Potemkinsche Dörfer sein.“
   
Im Programm dieses Forums wurde zum ersten Mal der ethnokulturelle Block mit einem reichen Konzertprogramm eingeführt, was gute Resonanz bei vielen Teilnehmern fand. Jeden Tag lernte man vor der Tagung drei Lieder der Russlanddeutschen auswendig. „Zum 10. Forum können wir schon neun solche Lieder singen“, behauptete die Leiterin des ZdK aus Slatoust Larissa Weizel. Am Forum bereitete Larissa gemeinsam mit den Kollegen das Kulturprogramm vor. Für die musikalische Begleitung waren der Volksensemble „Präludium“ aus Kemerowo und das Duett von Alexander und Valentina Michel aus Rubzowsk verantwortlich.
 
„Jedes neue Forum, jedes unsere Treffen sind wie ein Schritt in die Zukunft, der neue Horizonte öffnet, neue Ideen bringt, mit neuen Leuten bekannt macht. Gemeinsam sehen wir deutlicher unsere getane Arbeit, was richtig oder falsch war“, sagt der Choreograph Arnold Reinick aus Perm. „Denn im sozialen Leben wirken ja keine Gesetze der Physik oder Geometrie. Wenn auf einem Blatt der kürzeste Weg vom Punkt A bis zum Punkt B eine Gerade bildet, so ist es im Leben ganz anders. Ich bin froh, dass wir alle das verstehen. Wir haben kluge und mobile Leiter, was garantiert, dass wir im Stande sind, einen richtigen Weg zu wählen und diesen Weg zu gehen, und dabei dem Herzen zu folgen und die äußeren Umstände zu beachten. Der Gott wird uns richten, ob wir uns das richtige Ziel gesetzt haben. Hauptsache für mich ist, dass ich mir die Mühe gebe und bereit bin, das, was ich habe, mit anderen zu teilen.“
 
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